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Vernetztes Denken

Die Tierökologie betrachtet u.a. die Wechselwirkungen zwischen Tieren und ihrem Lebensraum. Gerade interdiszi-
plinäre naturkundliche Forschung liefert dabei ebenso ver-
blüffende wie interessante Einblicke in das Verhalten von Wildtieren.

Ein Beispiel:
In einer ausgedehnten Heidelandschaft in Südhessen beo-
bachten wir seit 1996 die Umbruchaktivitäten der Wildschweine. Wesentliche Ursache für den dortigen Umbruch ist die Suche der Wildschweine nach Regenwürmern. Besonders häufig und intensiv werden die nährstoffreichsten Flächen umgebrochen, die in der Vergangenheit Stickstoffaufdüngungen erfahren haben.

Heiden, Magerwiesen und Magerrasen sind durch den Um-
bruch wesentlich geringer beeinflusst. Wir konnten zeigen, dass durch den Umbruch das Aufwachsen konkurrenz-schwacher, seltener Arten gefördert wird. Durch die Bodenverwundungen und offenen Sandstellen nimmt auch die Faunen vielfalt an Insekten zu. Insektenfresser, wie Neuntöter, Schwarzkehlchen und Heidelerche, erreichen auf dieser Heidelandschaft bemerkenswert hohe Brutpaardichten. Gleichermaßen positiv stellt sich der Wildschweinumbruch auf artenreichen Waldwiesen im südhessischen Tiefland dar.

Auf mageren, wechselfeuchten Glatthaferwiesen Südhessens wird u.a. die Gemeine Natternzunge Ophioglossum vulgatum, eine seltene Farnpflanze, direkt durch Umbruch gefördert.
Der Verbiss von Kräutern und Gräsern durch Rothirsch, Reh und Feldhase auf diesen Waldwiesen ermöglicht erst die Eiablage verschiedener Insektenarten. So kann der Heilziest-Dickkopffalter erst nach Verbiss der oberen Pflanzenteile des Heilziestes Betonica officinalis seine Eier auf der Blattrosette ablegen.


Foto: Olaf Simon


Foto: Olaf Simon


Foto: Olaf Simon


Foto: Johannes Lang

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